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WEB GERMAN AUTOBAHNS
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INTERVIEW (ursprünglich erschienen in AmigaGadget Nr.21)

Interview mit Fish

die Übersetzung des "FishNet"-Interviews mit dem schottischen Rockmusiker

Der folgende Text entstand mit freundlicher Genehmigung von

Mark & Julie Wynne

die auch das Originalinterview führten und bei denen auch das Copyright für das Interview liegt. Das Originalinterview kann in den "FishNet"-Seiten im WorldWideWeb unter der Adresse

http://www.livjm.ac.uk/fish/intervws/170795.htm

nachgelesen werden. Für die nette und schnelle Erteilung der Erlaubnis sei hiermit Mark & Julie nochmals gedankt. Die Übersetzung sowie die kurze Einleitung wurden von mir geschrieben. (an)

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Kurze Hintergrundinformationen

Im Jahre 1979 schlossen sich die Musiker Mick Pointer, Doug Irvine und Andy Glass unter dem Namen "Electric Gipsy" zusammen. Nach einigen Umbesetzungen und Umbennenungen entstand schließlich die Gruppe "Marillion", deren Leadsänger von 1981 bis zum 12.September 1988 der 1958 geborene Derek William Dick war und die unter anderem durch Hits wie "Kayleigh", "Market Square Heroes" und "Garden Party" auch einem größeren Publikum bekannt geworden war. Dick trat dabei und auch bei seiner nach der "Marillion"-Zeit beginnenden Solokarriere stets unter seinem Spitznamen "Fish" auf. Zu diesem kam er hauptsächlich durch eine Angewohnheit aus seiner Jugend, als er nur einmal wöchentlich ein Bad nehmen konnte und das dann zu einer abendfüllenden Angelegenheit mit Süßigkeiten, Zigaretten, Bier und einem guten Buch machte. Kamen bei so einer Gelegenheit Bekannte vorbei, so mußten sie teilweise stundenlang auf ihn warten - und einer von Dicks Freunden verpaßte ihm deshalb nach einer zwei Stunden langen Warterei den Spitznamen "Fish". Inzwischen hat Fish mit seiner Band bereits vier Soloalben ("Vigil In The Wilderness Of Mirrors", "Internal Exile", "Songs From The Mirror" und "Suits") plus einiger Live- und Akustik-Alben ("Sushi", "The Acoustic Concert",..) veröffentlicht. Für Ende September sind die beiden CDs "Yin" und "Yang" angekündigt, die als Best-Of-Alben hauptsächlich altes Material enthalten werden, das jedoch teilweise neu arrangiert wurde - in Fishs eigenem Studio "The Funny Farm" und unter seinem eigenen Label "The Dick Brothers". Darüberhinaus gibt er zahlreiche Konzerte, die von dem offiziellen Fish-Fanclub, der "Company", organisiert werden.

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Das Fishnet-Interview

by Mark & Julie Wynne, deutsche Übersetzung von Andreas Neumann

Ort :
Die Küche der Funny Farm
Darum :
Montag, 17.Juli 1995
Zeit :
sehr spät

Viel Bier, Wein und Nahrungsmittel sind sowohl im Pub als auch in der Funny Farm konsumiert worden. Fish mußte am nächsten Morgen zu einer lächerlich frühen Uhrzeit aufstehen, um das Video zu "Just Good Friends" abzudrehen. Aber zunächst stand ein Interview für das FishNet an. Am nahesten waren wir bisher einem Interview gewesen, als uns die Polizei wegen Geschwindigkeitsüberschreitung anhielt !
Wir waren gelinde gesagt besorgt. Wird Fish die Fragen einfach mit "Ja" oder "Nein" beantworten, wird das Interview länger als 2 Minuten dauern ?

Nun, es dauerte in der Tat länger als 2 Minuten !! Es ist dann tatsächlich so lang geworden, daß wir es der Lesbarkeit wegen in Einzeilteile aufgespalten und sie mit losen Überschriften versehen haben. Hatten wir wirklich Angst, daß Fish einfach nur "Ja" oder "Nein" antworten würde ? Es wäre um einiges leichter und schneller einzugeben gewesen, wenn er es getan hätte.

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Übersicht

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Teil 1 - Textbücher

FishNet:
Während des Zusammenstellens der Internet - World-Wide-Web - Seiten kamen einige Fragen auf. Was passierte mit dem Textbuch, das aus dem Auto gestohlen wurde - hast Du es zurück bekommen ?

Fish:
Ja, das war ein ziemlich traumatisches Erlebnis, was man kaum glauben mag. Ich versuche gerade, mich zu erinnern, welcher Geburtstag es war. Es gab zwei Bücher, die ich gleichzeitig ausarbeitete. Ich war zu meinem Geburtstag aus Schottland zurückgekommen, was bedeutet, daß es April war und was auch bedeutet, daß es dann während der Zeit des "Fugazi"-Albums gewesen sein muß - das Leben ist schon etwas Verschwommenes. Ja, ich war oben in Schottland gewesen, dann kam ich mit all meinen Geschenken und dem ganzen Zeug, das ich von meiner Familie und meinen Freunden bekommen hatte, zurück. John Arnison hatte mich am Flughafen aufgelesen, wir waren zurück zum Club "The Marquee" gefahren und hatten den Wagen hinter dem Club geparkt, da wir uns in dem Club rumtrieben, so daß es während der "Fugazi"-Zeit gewesen sein muß. Wir kamen zurück, und plötzlich war das Heckfenster eingeschlagen und meine Taschen und Geschenke waren durch es herausgezogen worden.

Das ärgerlichste daran war die Tatsache, daß diese Textbücher, die ich mehrere Jahre mit mir geführt hatte, und die eine Unmenge Notizen und Anmerkungen enthielten, gestohlen worden waren. Schließlich wurden sie gefunden, der Großteil der Kleidung und der anderen Dinge blieb weiterhin verschwunden. Aber die Textbücher wurden an einem Bahndamm in Brixton gefunden. Das war's und der Rest war nebensächlich, ich habe die Textbücher immer noch und sie enthalten alle Originaltexte. Für das "Masque"-Buch wollte ich sie photographieren oder sie scannen und im Buch veröffentlichen, etwas, das ich vielleicht für das Textbuch, das für "Yin" und "Yang" geplant ist, verwirklichen werde, da eines meiner Anliegen bei "Yin" und "Yang" ist, nicht einfach die Texte zu wiederholen, weil jeder die Texte bereits in einem anderen Albumtextheft hat. Bis auf so Sachen wie "The Institution Waltz" ist der ganze Rest ziemlich gut dokumentiert. So beschloß ich während einer feuchtfröhlichen Nacht, handgeschriebene Anekdoten zu jedem der Titel zu schreiben und ich verbrachte mindestens 3 bis 4 Stunden täglich während des größten Teils der Frankreich-Tournee damit, all die Kleinigkeiten, von denen die Songs handeln, niederzuschreiben. Aber Fin Costello hat solch großartige Fotos geschossen, daß einerseits die Fotos schlichtweg ruiniert worden wären, wenn man einen meiner Texte darübergelegt hätte und daß andererseits die Texte kaum zu erkennen gewesen wären, wenn sie über den Fotos gelegen hätten. Deshalb haben wir beschlossen, die beiden Alben, "Yin" und "Yang", zu veröffentlichen und ihnen ein Booklet für Mitglieder des Fanclubs folgen zu lassen, das dann mehr der Fotos von Fin Costello und auch viele der handgeschriebenen Texte zu den einzelnen Stücken und den anderen Themen enthalten wird. Die Idee geht dahin, daß wir es versuchen und auch einige der alten Fotos dazu geben wollen. Und das ganze kommt dann in einer eigenen Schachtel. Wenn die Mitglieder des Fanclubs es also wollen, können sie es bestellen. Ich weiß nicht, wie wir das im einzelnen machen werden, wir haben das noch nicht ganz durchdacht, aber es wird nur wenige Pfund kosten und man bekommt im Prinzip ein Booklet, das in die Schachtel paßt. Rob Ayling, mein Labelmanager, versucht momentan herauszufinden, wie wir sie individuell numerieren und benennen können, so daß jedes Mitglied der "Company", das es so will, eine Schachtel mit den Texten bekommen kann, in die die "Yin"- und "Yang"-Alben paßen und in der auch noch genug Raum für die "Radio Edits"- und die "Interview"-CD ist. Auf diese Weise hat man eine nette Sammelbox. Ich würde beispielsweise liebend gerne "The Instiution Waltz" fotokopieren und das Original von "Punch&Judy" hineinbringen und die Rotweinflecken zeigen und all das.

FishNet:
Benutzt Du jetzt immer noch ein Textbuch ?

Fish:
Zur Zeit habe ich etwa fünf Bücher; die beiden Originale, die ich etwa seit 1987 nicht mehr verwende. Es gibt ein kleines blaues Buch mit meinen Gedichten, das von "Misplaced" über "Clutching" bis "Vigil" das wichtigste Buch war. Und dann kam ein großes schwarzes Buch und nun auch ein großes braunes Buch, die die verschiedensten Dinge enthalten. Ich habe immer versucht, eins mit auf die Tourneen zu nehmen, um die Notizen in eine Form zu bringen, aber es funktioniert nicht. Ich habe nicht die Disziplin, um das wirklich hinzubekommen. Das Material für "Suits" entstand in dem großen braunen Buch, das meine Gedichte enthält. Aber das, was ich momentan mache, ist zum großen Teil eher im Kopf als irgend etwas anderes. Wenn wir die nächste Tournee angehen, werde ich wahrscheinlich ein Buch mitnehmen, das das Kreuzworträtsel sein wird. Ich traue Computern nicht, wirklich nicht. Irgendetwas stimmt nicht mit Textverarbeitungsprogrammen und dem ganzen.

Man kann stundenlang an etwas arbeiten und dann drückt man aus Versehen den falschen Knopf oder in der Mitte eines gewaltigen Sturms, der der Offenbarung entsprungen ist, wird plötzlich das Resultat Deiner Arbeit der letzten sieben Monate ausgelöscht. Deshalb verlasse ich mich immer noch sehr stark auf die alte Methode - ein bißchen Papyrus, wunderbar. Es gibt nichts, das es mit dem Gefühl von etwas Papier aufnehmen kann !

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Teil 2 - Ausrüstung

FishNet:
Ich bemerkte, daß Du beim Konzert in Caen (zu dem es einen Konzertbericht in den FishNet-Seiten gibt) Probleme mit dem Mikrophon hattest und es gegen ein anderes austauschen mußtest. Benutzt Du immer noch schnurlose Mikrophone ?

Fish:
Das hatte nichts mit einem schnurlosen Mikrophon zu tun, das lag einfach daran, daß dort ein miserabler Soundingenieur und nicht unsere eigener Touringenieur war. Das liegt an der Ausrüstung, die wir verwenden. Auf Grund der Art und Weise, in der wir diese Konzerte organisieren, benutzen wir P.A.- und Monitorsysteme so wie wir sie vorfinden. Ich kann es mir nicht leisten, eine vollständige Tournee durch die Provinzen Frankreichs mit einem kompletten Monitor- und P.A.-System zu machen, wie wir das in einer perfekten Welt gerne täten.

Die Akustik-Konzerte begannen bei den "HMV in store"-Shows. Ich erinnere mich an das Konzert in Glasgow mit Frank und Robin, bei dem sie fragten "Was sollen wir machen ?", und ich sagte : "Laßt uns 'Lucky' ausprobieren" und plötzlich gab es quasi einen Knall und es war großartig ! Daraufhin spielten wir natürlich das sich dazu schier aufdrängende "Dear Friend" und die anderen Stücke. Wir versuchten "Internal Exile" und es klappte toll. Daraufhin telefonierte ich mit meinem Agenten und sagte : "Laß uns Akustik-Konzerte machen." und er sagte : "Nun, ich denke nicht, daß das eine gute Idee ist, es könnte schiefgehen." Und dann gingen wir raus und gaben einigen Konzerte, die wirklich toll waren. Die absolute Minimal-, Minimal-, Minimal-Version des ganzen kam dann, als Frank und ich nach Südafrika flogen. Wir hatten dort einen Keyboarder und einen Gitarristen, die nie zuvor mit uns zusammen gespielt hatten. Es endete damit, das wir ein eine Stunde und zwanzig Minuten dauerndes Konzert mit sieben Liedern gaben. Es war wie eine Improvisation, Fish spielt Billy Connolly.

Das ganze akustische Material war so angelegt, daß wir in Gebieten spielen konnten, in denen wir nie zuvor auftreten konnten. Man kann nicht mit einer kompletten Produktion und allem was dazugehört losziehen, wenn man bei bestimmten Orten weiß, daß man dort kein großes Publikum hat. In Reims waren 62 Leute, in Caen etwa 52, in Straßburg 600, in Lyon ungefähr 400 / 500, in Marseille 600. Man muß sich auf die Umstände einstellen. Man muß dem ganzen gegenüber eine Art Guerilla-Kriegsführungsstrategie entwickeln. Man hat die Wahl, die Shows nicht zu machen und sich auf die Single und das Video zu verlassen, um den Markt zu testen und zu durchblicken, oder man beschränkt sich und geht mit einem Minimum an Helfern in den Tournee-Bus, mit der geringsten Menge an Ausrüstung, die für eine mehr als nur akzeptable Show notwendig ist. Das Akustik-Konzert entwickelte sich zu einer Show, die exzellent war und die ich persönlich sehr mochte. Als Sänger gab es mir die Möglichkeit herumzuspielen. Wie ich schon sagte, die Ausrüstung mußte man sich manchmal erbetteln, borgen oder stehlen. Man kann nicht ankommen und ein M4-System und ein Halleffektgerät, etc., etc. verlangen. Es gehört dazu, daß man mit ziemlich schäbiger Ausrüstung arbeiten muß.

Man hat vor ein paar Jahren die Frequenz der schnurlosen Mikrophone geändert und es gibt eine Menge unterschiedlicher Systeme. Ich mochte gewöhnlich das System von Sony, mit einem Shure SM58 - Kopf. Es gibt da aber bestimmte Frequenzen, die einfach verschwinden, sie werden schlichtweg nicht übertragen. Die ganze Art und Weise, in der das schnurlose Mikrophon arbeitet, tendiert dazu, Frequenzen aufzufangen, die viel Feedback erlauben, und man verliert dabei viel vom Körper der Stimme. Das System, das ich heutzutage bevorzuge, ist ein Kabelsystem, und ich verwende das 87er, das eigentlich ein Studiomikrophon ist. Wir kauften das während unserer letzten Tournee. Ohne zu technisch werden zu wollen, handelt es sich dabei um ein Mikrophon, das über einen engen Tonabnehmungsbereich verfügt - man muß sehr nah dran sein - aber das eben Qualität hat. Ich habe einen für einen Sänger ungewöhnlichen Frequenzbereich, der beste Teil des Bereiches liegt zwischen 17 und 22 K. Das ist im mittleren Bereich, bzw. über der Mitte. Bei einem schnurlosen Mikrophon neigt diese Frequenz am meisten zur Rückkopplung.

Ich mag die Bewegungsfreiheit, die man bei einem schnurlosen Mikrophon hat, ich mag die Möglichkeit, hin und her zu rennen, ohne dabei zu straucheln und aufs Gesicht zu fallen. Und ich mag die Möglichkeit, damit in die Zuschauermenge zu gehen, aber die Qualität leidet darunter und ein Mikrophon mit Kabel wird da immer das beste sein. Und wie schon gesagt, ist das 87er, mit dem ich zur Zeit arbeite, das bei weitem beste Mikrophon, mit dem ich je auf der Bühne gearbeitet habe. Sowohl der Toningenieur als auch Yatta sagten, daß die Qualität der Stimme, die dabei rüberkommt, unglaublich war. Wenn die Quelle gut ist, wenn das, was man ins Mikrophon gibt, gut ist, dann haben sowohl Dein Touringenieur als auch Dein Monitor-Ingenieur bessere Chancen, damit umzugehen. Wenn man mehr Substanz zum Verarbeiten hat, kann man damit mehr im Tonbereich und beim Bühnensound anfangen. Das ist eins der größten Probleme, die man auf der Bühne hat; viele der größten Probleme hängen immer mit schlechten Monitor-Ingenieuren zusammen, da man einen schlechten Monitor-Ingenieur oder ein schlechtes Monitorsystem auf der Bühne überkompensieren muß. Ich bin der Typ Sänger, der eher Wert auf die Vorstellung legt. Ich brauche das Licht und den Schatten, ich brauche die Fähigkeit, mit der Dynamik des Vortrags zu arbeiten. Ich mag sowohl die Möglichkeit, zu flüstern und dabei das Flüstern zu hören als auch gleichzeitig die Möglichkeit, zu schreien und einen Schrei zu bekommen. Zum Beispiel in "State of Mind" setzt man so leise an, daß man damit spielen kann. Wenn man ein schlechtes Monitor-System hat, kann man das nicht, man neigt dazu, überzukompensieren. Sobald man überkompensiert, überspannt man seinen Gesang. Wenn man ein Konzert gibt und das Monitor-System ist nicht in Ordnung, kann es vorkommen, daß man etwa zwei Stunden lang singt, es sich aber in derselben Zeit anfühlt, als hätte man sechs Stunden gesungen. Das heißt, daß die drei aufeinanderfolgenden Konzerte sich wie fünf anfühlen. Man quält sich viel ab und je mehr man sich abquält, desto mehr wird es einem heimgezahlt, selbst wenn man einen Tag frei hat. Wenn man sich fünf Tage abquält und einen Tag frei nimmt, geht man auf vier zurück, was bedeutet, das man die nächste Runde mit einer drei- zu vier-Tages-Plackerei beginnt. Die Vorstellung ist die, daß man nur vielleicht zwei oder drei Konzerte gibt und dann einen Tag frei nimmt, bis die Quälerei sich auf einen Tag verringert. So ist man immer damit beschäftigt, seine Stimme zu erholen, was der Grund dafür ist, daß wir die nächste Tour so geplant haben, wie wir es haben. Es gibt keine Vierer mehr während dieser Tournee. Ich gebe keine vier Konzerte mehr hintereinander. Drei hintereinander, zwei hintereinander. Ich sagte meinem Agenten, daß dahinter nicht kurzfristiger Profit, sondern ein langzeitiger Gewinn steht. So wollen wir das handhaben. Wir sprechen von einer drei oder vier Monate langen Tournee, weswegen wir das Spiel genauso wie ein Fußballspieler in einem Meisterschaftsspiel einteilen müssen. Man geht nicht mit einer Knieverletzung auf den Platz; hin und wieder muß man sich einen Tag frei nehmen, damit das Knie heilen kann, wenn man das Ende der Saison erleben will.

FishNet:
Früher hast Du zumeist vier Konzerte am Stück gegeben und danach einen freien Tag eingelegt.

Fish:
Ja, es erschreckt mich, wenn ich zurück auf Teile der früheren "Fugazi"- und "Script"-Tourneen blicke. Es gab da teilweise fünf Konzerte am Stück. Ich sprach kürzlich mit Roger Chapman bei einem der SAS-Band-Konzerte in Zürich und er sagte, daß er seit drei Jahren keine vier Konzerte hintereinander gegeben hätte. Man macht das einfach nicht. Man nennt das vier zu eins, vier Tage auf der Bühne und einen frei. Nun mache ich drei zu eins, zwei zu eins. Man muß das eigene Tempo bestimmen, man muß die lange Strecke gehen.

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Teil 3 - Promotion CDs

FishNet:
In der Bestelliste für "The Dick Brothers" entdeckte ich Promotion- CDs für "No Dummy" und "Emperors Song"/"Fortunes of War". Gab es Pläne, die Stücke als Singles zu veröffentlichen ?

Fish:
Hinter der Katalognummer von "No Dummy" stand absolut nichts. Ich war mir wirklich ziemlich sicher, daß "No Dummy" eine tolle Single geworden wäre und ich glaube das immer noch. Vielleicht wird man eines Tages darauf zurückkommen, etwa wenn wir ein "Compilation"-Album machen. Es gab davon viele Dance-Mixe, die nie veröffentlicht wurden. Aber ich hatte nie das Gefühl, daß diese das Richtige wären. "No Dummy" ist vielleicht das Stück des "Suits"-Albums, das in kommenden Jahren als eines der fortschrittlichsten angesehen werden wird. Vermutlich war es seiner Zeit voraus. Bei den Dance-Mixes, die gemacht wurden, hatte ich das Gefühl, daß sie dem Titel Unrecht tun würden. James Cassidy wollte ihn zusammen mit Galtan Shurrer machen. Galtan hatte mit James bei einem anderen unserer Projekte zusammengearbeitet. Er hatte "Spartacus" gemacht und auch Dance-Mixe von einigen der "Songs From The Mirror"-Stücke. Ich glaube, er hatte an "I Know What I Like" gearbeitet, aber es hat nie so richtig funktioniert. Zu dieser Zeit ging es mit dem "Suits"-Album ein wenig dem Ende entgegen, und ich hatte nicht das Gefühl, als könnten wir uns in eine Situation begeben, in der wir uns mit Dance-Musik beschäftigen und viel Geld in Werbung stecken könnten. Deshalb hat die Katalognummer niemals richtige Verwendung gefunden, obwohl die Mixes existieren. Eine der Geschichten, die damit zusammenhängen, war die, daß im Studio das Masterband von "No Dummy" in einem fort auf der Zwei-Inch-Spule lief, und da jeder im Studio so beschäftigt war, haben die Leute vergessen, nach der Bandmaschine zu sehen. Und so passierte es, daß die Bandmaschine "Tschugga, tschugga, tschugga, tschugga, tschugga" machte und die letzten fünf Minuten des Songs abgerieben wurden. Deshalb ist es zweifelhaft, ob man das verwenden kann. Wir sprachen neulich erst mit einigen Leuten von MIDEM, die das wirklich als Dance-Musik machen wollen. Ich halte ihn für einen ziemlich gewalttätigen Song, ich mag ihn, ich mag seinen Text, ich mag die ganze Dramatik des Songs.

Bei "Fortunes Of War" und "The Emperors Song" konnten wir uns nie entscheiden, welcher auf die Single kommen sollte, woraufhin die Deutschen die Idee hatten, beide Songs auf eine Promotion-CD zu bringen, und abzuwarten, welchen die Radiosender spielen würden. Letztlich haben sie eigentlich keinen gespielt. Ich denke, daß wir beim "Suits"-Album das Problem hatten, die Singles auf die falsche Art veröffentlicht zu haben, wir waren noch dabei, das Geschäft als unabhängige Plattenfirma zu lernen und ich denke, wir haben es vielleicht falsch gemacht. Ich denke, wenn wir "Emperors Song" als erste Single und dann "Lady Let It Lie" herausgebracht hätten, hätten wir wohl mehr Erfolg gehabt. Es ist dann so gelaufen, daß "Lady Let It Lie" erschien und eigentlich nicht das gebracht hat, was wir uns erhofft hatten, deshalb war es ziemlich schwer, noch gespielt zu werden. Im Nachhinein bin ich der Meinung, daß die Studioversion des "Emperors Song" live gespielt nicht mit der Power und Energie der Liveversion mithalten kann. Das sind also die Gründe, warum "Emperors Song" und "Fortunes Of War" als sehr, sehr, sehr limitierte Promotion-Versionen existieren.

Das ist es, wovon wir im Pub gesprochen haben; ich denke, daß von "Lady Let It Lie" europaweit etwa 30.000 / 35.000 Exemplare verkauft wurden, und wir planen keine Neuauflage. Deshalb müßte "Just Good Friends" als Single herausgebracht uns in die Stratosphäre einer Hitsingle des Jahres '85 schießen. Dann würde vieles von dem Material wertvoll werden. Neulich rief mich jemand an und sagte mir, daß die "The Company"-CD, von welcher meines Wissens nur etwa 10.000 gepresst wurden, bereits für 50 / 60 Pfund gehandelt werden. Ich denke, daß es das für Fans interessant macht. Für die Leute, die damals treue Fans waren, die Leute, die all das Material kauften, als es erschien. Wenn sich großer Erfolg einstellt, wird die Plattensammlung tatsächlich sehr wertvoll. Ich glaube, daß es heute viele Leute gibt, die ihre Plattensammlung als Aktivposten betrachten. Sie kaufen sich zwei Exemplare und wissen so, daß sie eines verkaufen können und nach wie vor selbst eine "Company"-CD - oder welche auch immer - besitzen. Gleichzeitig haben sie immer noch eine zum Verkauf und wenn sie die für 50 / 60 Pfund verkaufen können, bedeutet das, daß sie mehrere Exemplare der nächsten CD kaufen oder sich zurückwenden und die "Market Square Hero"-Picturedisc, die sie damals nicht ergatterten, erwerben können.

Der Weltrekord für das wie ich denke wohl teuerste Objekt wird momentan von einem Holländer gehalten, der die 12 Inch-Picturedisc der ungeschnittenen Version von "Garden Party" für 600 Pfund verkaufte. Ich kann das kaum glauben. Ich wünschte, ich hätte noch ein paar von denen. Die Sache ist die, daß es tatsächlich nur 55 davon in der ganzen Welt gibt, so daß sie sehr selten ist.

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Teil 4 - Masque

FishNet:
Du sprachst bereits vom "Masque"-Buch, wird das je realisiert werden ?

Fish:
Das berüchtigte "Masque"-Buch. Mark Wilkinson und ich haben unzählige Texte und Manuskripte. Die ursprünglichen "Masque"-Texte sind wirklich interessant. Aber meine Kariere befindet sich nicht in einem Stadium, das besonders verführerisch wäre; ich habe keinen Ruf, der Verlage dazu verlocken könnte, größere Geldsummen in ein Buch zu investieren, das Kunst oder was auch immer enthält, oder das Gekritzel eine Künstlers und eines Autors, oder eines Künstlers und eines Lyrikers, oder was auch immer. Ich denke, daß die Idee mit "Masque" sich selbst in eine eher lyrische, autobiograhische Arbeit einbringen wird. Ich habe kürzlich mit Bill McNie, der die "Company" Schottland leitet, eine 78 Minuten dauernde Interview-CD gemacht. Sie ist eine Einführung in "Yin" und "Yang", eine kleine Geschichte. Anstatt eine normale Biographie zu schreiben, die man den Zeitungen schickt, haben wir uns entschlossen, einen anderen Weg zu wählen und eine CD zu machen.

Wenn wir die CD verschicken, bekommen die Leute Zitate und alles, was so dazugehört, ohne daß sie erst unzählige Lokalzeitungen anrufen müssen, mit denen man ja gerne sprechen würde, wozu einem jedoch eigentlich die Zeit fehlt. Gleichzeitig eröffnet sie unabhängigen Radiosendern, mit denen man nicht selbst sprechen konnte, die Möglichkeit, eine Rock-Show oder etwas ähnliches zusammenzustellen und sie ihren Hörern in Verbindung mit den Titeln der "Yin"- und "Yang"-Alben vorzuspielen, so daß sie eine Sendung kreieren können, die mir ein wenig Profil und den Sendern ein interessantes Programm gibt. Deshalb setzten sich Bill und ich zusammen und machten diese CD, von der Bill selbst sagt, sie enthalte viele Informationen, die die Fans noch nicht kannten. Das hat dann die Idee aufgebracht, daß wir vielleicht eine gesonderte CD für jedes Album, das ich je gemacht habe, herausbringen sollten. Eine für "Script", eine für "Fugazi", eine für "Misplaced", "Clutching", "Vigil", "Internal Exile", "Songs From The Mirror" und "Suits". Man könnte dann Lied für Lied die Texte durchgehen und ich könnte mir vorstellen, daß das die Vorstellung von dem, was "Masque" werden sollte, übernehmen könnte. Ich könnte mir vorstellen, daß das mit einer CD viel interessanter sein könnte, als nur herumzusitzen und das schwarz auf weiß herunterlesen zu können. Wir könnten sie in einer eigenen Schachtel herausbringen, so daß die Leute sie eher wie ein Magazin kaufen könnten. Das würde zwischen 2.50 und 3.00 Pfund pro CD kosten und bedeuten, das die Leute eine andere Sicht der Dinge bekämen. Ich habe vor, an einem Punkt meines Lebens eine Autobiographie zu schreiben. Für mich wäre es ein guter Bezugspunkt, wenn ich einfach herumsitzen und mit jemandem reden könnte. Bill und ich mußten gerade erst einige Zeit im Studio totschlagen, etwa eine Sonntagnacht über einer Flasche guten Rotweins, und uns gegenseitig Müll erzählen. Es gibt viele wirklich interessante Geschichten. Es wäre einfach, für jedes Album 78 Minuten zusammenzubekommen. Ich denke, die Leute würde einen Einblick in die Dinge bekommen. Es ist nicht so, als wären meine Texte sehr kryptisch. Die Texte sind an bestimmte Personen gerichtet und drehen sich um bestimmte Geschichten und Bedeutungen. Es ist nicht so, als hätte ich sie einfach aus meinem Kopf nach einigen Nächten des Bierkonsums oder ähnlichem zusammengewürfelt. Sie mußten erst herausgearbeitet werden, deshalb wäre die CD eine Art Reiseführer zu den Texten. Man könnte immer noch das, was man will, darin erkennen, man kann immer noch sich und seine Beziehung zu ihnen selbst ausmachen, aber gleichzeitig gibt es viele Bezugspunkte, wie etwa "Belsize Park" oder "The Bridge of Sighs" in "Jigsaw" und anderes. Es gibt viele Punkte auf einer Landkarte. Es wäre wirklich eine feine Sache, die Karte darzustellen und dahinzugehen - "OK, wo möchtest Du hin ?".

FishNet:
Als wir das FishNet-Kreuzworträtsel zusammengestellt haben, war es sehr interessant, Deine Texte durchzuarbeiten; es gibt dort viele Wörter, die man sich herauspicken und mit einem guten Hinweis versehen in ein Kreuzworträtsel einbauen kann.

Fish:
Ich bin nicht sehr gut im Lösen von Kreuzworträtseln. Foss Patterson beherrscht es hervorragend. Er und Davey Paton und Frank setzen sich hin und lösen das Kreuzworträtsel des "Independent". Ich, und das macht mich wütend, ich kann das nicht, wenn man derart wirklich schreckliche Hinweise bekommt - es ist so, als zerbräche man ein Wort und hänge es an ein anderes heran - ich bin wirklich miserabel darin.

FishNet:
Nun, wir haben Dir eine Kopie des Kreuzworträtsels ausgedruckt, laß uns sehen, wie Du damit zurecht kommst, da es ja schließlich auf Deinen Texten basiert.

Fish:
Vielleicht sollte ich einen Preis für das Kreuzworträtsel aussetzen, etwa eine zweiwöchige Ferienreise nach Spanien, und versuchen, ihn zu gewinnen.

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Teil 5 - Tourneen

FishNet:
Wie sieht zur Zeit Deine Tourneeplanung aus, besonders was die USA angeht, da viele Leute, die das FishNet lesen, Amerikaner sein dürften ?

Fish:
Die USA, oh Gott. Wenn es ein Gebiet in der Welt gibt, in dem es am schwersten ist, nicht nur Begeisterung sondern überhaupt irgendein Interesse an dem, was ich tue, zu wecken, dann sind es die USA. Es gibt dort Gruppen von Fish-Fans, die nicht verstehen können, warum ich dort nicht aktiv bin, die nicht verstehen können, warum ich dort nicht auf Tournee gehe und das Problem dabei ist, daß sie eine absolute Minderheit darstellen. Ich glaube genau wie sie, daß ich mit der richtigen Plattenfirma im Rücken, die bereit wäre, das Material zu verwerten, die Chance hätte, mir einen Namen in den Staaten zu machen. Es gab Angebote von unabhängigen Firmen, aber die haben halt nicht die benötigte Kraft, so daß alles, was sie tun könnten, genau das ist, was ich durch die Importfirmen in den Staaten ohnehin schon tue. Ich brauche die finanzielle Durchschlagskraft; wenn man sich vor Augen hält, daß Großbritannien etwa acht Mal in Texas Platz hätte, weiß man, wo das Problem liegt. Wenn man sich ansieht, wieviel ich in Großbritannien auf Tournee bin und das auf eine flächendeckende Tournee durch Amerika hochrechnet - dann wird das schwierig. Deshalb muß man sehr auf das Video und auf Radiosendungen vertrauen. Um Radiosendezeit und all das zu bekommen, braucht man jemanden mit Durchschlagskraft und die Leute, die darüber verfügen, sind an dem, was ich zur Zeit tue, nicht interessiert.

Jede Woche führen wir Telefongespräche in die Staaten um herauszufinden, wo die Leute stecken, die den goldenen Weg ins Nirvana weisen können. Aber bis jetzt ist noch keiner aufgetaucht. Es könnte der Zeitpunkt kommen - nicht in diesem Jahr, da ich einfach nicht die Zeit habe, aber vielleicht im nächsten Jahr - an dem ich rüber gehen und 10 Konzerte geben könnte, falls es für mich finanziell lohnend und interessant erscheint. Etwa so, wie wir jetzt in Singapur und Hongkong waren. Aber es ist ein unangenehmer Ort, um dort zu arbeiten. Ich habe keine Lust, den Rest meines Lebens damit zu verbringen, durch die Staaten zu touren und das zu tun, was Saxon und viele andere Bands vor mir gemacht haben. Gleichzeitig haben einige Bands viel Geld, viel Enthusiasmus, viel Herz und viel Energie investiert, nur um gar nichts zu erreichen. Ich würde mich eher auf Europa und Osteuropa konzentrieren, wo ich tatsächlich eine Reaktion erreiche. Man reagiert zur Zeit auf mich eher in Südostasien und Japan als in Amerika. Aber sollte es dazu kommen, bin ich absolut darauf vorbereitet, dorthin zu gehen, und ich bin mir der treuen Fangemeinde dort sehr bewußt. Ich würde gerne in der Lage sein, irgendwann nächstes Jahr rüber zu gehen und vielleicht ein Konzert in San Fran, San Diego, L.A. und ein Grand Rapids-Konzert und vielleicht ein Konzert in Chicago und so weiter zu geben. Möglicherweise könnten wir das auf eine dreiwöchige Tournee beschränken. Ich bin in Kanada bekannter und habe immer noch keinen Plattenvertrag in Kanada. Es ist furchtbar, ich bin 37 Jahre alt, wenn man 23 ist, fällt es einem leicht, 6 Monate seines Lebens einfach damit zu verschwenden, in den Staaten von Küste zu Küste zu touren, aber ich kann mir das jetzt nicht erlauben. Ich würde eher ein neues Album machen.

FishNet:
Du hast gesagt, daß es in Europa gut liefe. Eine der Ideen, von denen ich hörte, war die eines europäischen "Company"-Treffens; glaubst Du, daß das klappen könnte ?

Fish:
Ich glaube, daß das zu unpersönlich wäre. Ich meine, ein europäisches Fish-Fan-Club-Treffen zu veranstalten, schmeckt ein wenig nach "Straßburg und Brüssel". Das ist mit so einem bürokratischen Gefühl behaftet. Ich mache gerne ein Konzert für die "Company" in Holland und eins für die "Company" in Deutschland. Ich weiß es zu würdigen, daß es für den Geschmack der "Company" Frankreich sehr schwer ist, etwas auf die Beine zu stellen. Aber wenn man von einem europäischen Treffen redet, warum organisiert man so etwas nicht im Rahmen der Tournee und ermöglicht es den Leuten, zu den Soundchecks zu kommen ? Das Haddingtoner Treffen funktioniert hervorragend wegen der Art und Weise, in der es abgehalten wird. Ich kann hinkommen und alle Tage dort verbringen. Aber eine Sache, die ich beim letzten Treffen in Haddington lernte, war, daß ich nicht in der Lage bin, mich hinzusetzen, um 12 Uhr nachmittags zu reden anzufangen und bis 4 Uhr zu reden, gleichzeitig mit der Organisation beschäftigt zu sein und dann am Ende des Abends mich mit immer noch einwandfreier Stimme hinzustellen und zu singen. Deshalb habe ich die Befürchtung, daß ein europäisches Treffen zwar in den Sechzigern wegen der Ideale fein gewesen wäre, daß es jedoch zu unpersönlich werden und genau das zerstören könnte, wozu die "Companies" überhaupt da sind. Die "Companies" sind nicht für bürokratische, anonyme Leute, sondern für Individuen; wir kennen jeden, der für die einzelnen "Companies" arbeitet und es ist eine feine Sache, sie mit einem eigenen Treffen zu entschädigen.

FishNet:
Du sprachst davon, daß sich die "Companies" derzeit verändern würden, daß sie regionalisierter würden.

Fish:
Ja, das ist ziemlich lustig, ich finde es ziemlich interessant. Vielleicht spiegeln die "Companies" die politische Situation hier in Großbritannien wider. Die "Companies" Großbritannien und Schottland gehen ein - stattdessen gibt es die "Company" Scouselan und die "Company" der Midlands und die Jungs aus Newport und so weiter.

FishNet:
Wird es dieses Jahr ein Treffen der "Company" Schottland geben ?

Fish:
Ich weiß nicht, das Problem war die Zeit. Wir haben uns an die Edinburgher Bezirksverwaltung gewandt, um ein kostenloses Open-Air-Festival in Princess Street Gardens, mitten im Herzen von Edinburgh, geben zu können. In den nächsten 24 Stunden werde ich wissen, ob das tatsächlich geklappt hat. Wenn das der Fall sein sollte, dann können wir das Treffen vielleicht damit verbinden. Wenn es nicht klappt, dann machen wir es vielleicht im Dezember und veranstalten ein Haddingtoner Konzert am Ende der Tournee, bevor wir nach Südafrika gehen.

Wir haben vor, die Tournee im September zu starten, wenn es klappt, dann wäre das Konzert in Princess Street Gardens am 2.September, am 4. - glaube ich - ein Open-Air-Festival in der Nähe von Frankfurt in Deutschland, am 7. Liverpool Royal Court, am 9. Willesden Empire. In Liverpool und Willesden wird der Preis für eine Eintrittskarte 5 Pfund für jeden, der ein UB40 hat, und 7 Pfund für jeden, der arbeitet, betragen. Alle Einnahmen gehen an "The Big Issue", das Magazin für die Obdachlosen, um ihnen beim Aufbau einer neuen "Big Issue" zu helfen, die sie im Nordosten Schottlands plazieren wollen. Somit hat die Sache ein Ziel und die Show in Edinburgh würde das ganze starten. Das ist praktisch, da ich vom Ansehen der "Big Issue" profitiere und sie von meinem Ruf profitieren. Ich denke, wir beide passen ganz gut zusammen, die Art Texte, die ich schreibe, meine Einstellung, paßt ziemlich gut zu den Ansichten, die "The Big Issue" vertritt. Wir sind beide unabhängig und wir machen beide die Dinge auf unsere eigene Art. Grundsätzlich kapitalistisch mit einem starken linkssozialistischen Einschlag. Dann gehen wir nach Belgien, wo zwei Open-Air-Festivals stattfinden. Daraufhin geben wir ein Konzert in Holland, in Groningen im Norden, da ich in der Zeitschrift der "Company" Holland gesagt hatte, daß ich keine weiteren Konzerte in Holland geben wolle, weil ich das Gefühl habe, bereits zu oft dort gespielt zu haben, aber im Norden Hollands haben wir in der Tat noch nicht gespielt. Ich habe mit Marillion niemals ein Konzert in Leeuwarden oder Groningen gegeben, am nördlichsten waren wir wohl in Amsterdam. Deshalb entschädige ich sie mit dem Konzert in Groningen dafür, daß ich zu Beginn der vierzehn Jahre nicht dort war. Und von da aus gehen wir nach Dänemark, Norwegen, Schweden, Finnland, Estland, Lettland, Litauen, Polen, Tschechien, Ungarn, Österreich, Deutschland, Schweiz, Italien, Frankreich, Spanien, Portugal, zurück nach Spanien, zurück nach Frankreich, dann zurück nach Großbritannien. Danach haben wir etwa anderthalb Wochen nichts, dann über Weihnachten und Neujahr sechs Konzerte in Südafrika. Diese beinhalten zwei Workshops mit einheimischen Musikern, einen in Durban und einen in Prätoria. Von da aus geht es dann nach Japan, dann nach Südostasien und Australien und dann vielleicht nach Südamerika.

FishNet:
Das ist dann ja alles ziemlich großangelegt ?

Fish:
Nun, wir haben dieses Konzert in der Türkei gegeben, das im Konzertbericht dokumentiert ist, und wir waren mit 5000 Zuschauern ausverkauft. Man hat uns gebeten zurückzukommen und dort im nächsten Jahr 5 Konzerte zu geben. In Israel will man uns nun auch, Griechenland wird wohl auch bald dazustoßen. "Yin" und "Yang" sind somit die Ausweise, die es uns erlauben werden, in Gebieten auf Tournee zu gehen, in denen ich mit Marillion nie war. Wir sind nun internationaler als es Marillion jemals war.

FishNet:
Wird der bessere Ruf im Ausland Dir auch hier in Großbritannien helfen ?

Fish:
Nein, in Großbritannien schert man sich einen Scheißdreck darum, was irgendjemand im Ausland denkt. Wir haben im letzten Jahr die größten Festivals in Deutschland mit 250.000 Zuschauern gespielt und wen interessiert's ? Ich komme nicht einmal auf die Liste für Glastonbury, dort interessiert man sich nicht für mich. Ich bin 37 Jahre alt und damit 20 Jahre hinter meinem Verkaufszeitraum, soweit es die britischen Medien betrifft. Wenn ich morgen das Äquivalent zur "Bohemian Rhapsody" oder zu "Stairway To Heaven" schreiben würde, würde es sie nicht interessieren, weil er 1.85 m groß, kahl und schottisch ist und nicht das richtige Hemd an hat.

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Teil 6 - Schauspielerei

FishNet:
Hast Du noch irgendwelche Filmrollen in Aussicht ?

Fish:
Nun, bei den Tourneeplänen, von denen ich Dir gerade erzählt habe, ist das nicht ganz einfach. Mein Bühnenagent ist jedesmal völlig verzweifelt, wenn ich ihm mal wieder sage "Tut mir leid, ich kann drei Monate lang nicht arbeiten". Obwohl ich das sage, habe ich gerade erst für den neuen Alan Parker-Film "Evita" vorgespielt. Ich versuche mich an der Rolle des Magaldi. Wenn ich das durchziehe, bedeutet das, daß ich ein paar Tage frei nehmen muß, um die Aufnahmen in Großbritannien im Oktober fertigstellen zu können. Es würde bedeuten, daß ich im nächsten Jahr nach Argentinien müßte, um beim Dreh dabei zu sein. Wenn ich nach Argentinien fliege, dann bedeutet das, daß ich einen Flug gespart habe, was bedeutet, daß wir dann eine Südamerika-Tournee machen.

FishNet:
Ist Magaldi nicht der Typ, der in Clubs als Sänger auftritt ?

Fish:
Ja, der ist das. Das heißt, wenn ich die Rolle bekomme; ich habe für "Alien 3", "Braveheart", "Rob Roy McGregor" und alle möglichen Filme vorgespielt und es hat nicht geklappt. Deshalb gehe ich einfach so zu diesem "Auditioning". Ich habe es als Möglichkeit betrachtet, Alan Parker zu treffen und ihm ein Exemplar des Albums zu geben. Er ist ein netter Kerl. "The Wall" ist der perfekteste Rock'n'Roll-Film, den ich je gesehen habe. Das Vorspielen ist toll, es ist einfach eine Möglichkeit, Leute kennenzulernen. Ich bin selbst jedes Mal von den Stars beeindruckt.

FishNet:
Dann weißt Du ja, wie es anderen Leuten geht.

Fish:
Natürlich, ganz ohne jeden Zweifel.

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Teil 7 - The Funny Farm

FishNet:
Ich war heute ziemlich beeindruckt davon, wie geschäftig es im Studio zugeht.

Fish:
Das ist nicht das Studio, wenn es im Studio geschäftig zuginge, wäre das toll. Das ist das Büro, wo wirklich etwas los ist. Ich bin dort gesessen und habe versucht, die Anfahrtwege zu den Konzerten in Skandinavien herauszuarbeiten, und das läuft dann in etwa so, daß diese Fähre so und so viel kostet, das Konzert uns aber nur so viel bringt und wir die Hälfte der Konzerteinnahmen einbüßen, nur weil wir dreimal eine Fähre benutzen müssen. Manchmal ist es zugegebenermaßen ziemlich schwer, gleichzeitig Künstler, Manager und Plattenfirma zu sein. In der Situation, in der wir uns zur Zeit befinden, belaste ich manchmal meine Stimme wirklich schwer. Ich habe das Rauchen mit den besten Absichten aufgegeben und dann ging die Tournee los, bei der 8 von 10 Jungs rauchten und schon war klar : vergiß es. Sobald das Telefon klingelt, geht das wie mit Pavlovs Hund und die Filterspitze ist im Mund. Der einzige Unterschied liegt darin, daß ich jetzt nicht Benson & Hedges rauche, sondern Gauloises Lights. Sie sind milder und ich trinke nun Unmengen Wasser. Aber zeitweise sitzt man da und spricht 10 Stunden am Tag und ich denke, daß das das Problem ist. Früher hatte ich einen Manager, der das machte. Dann saß ich zuhause auf meinen vier Buchstaben und dachte "Ich wünschte, mich würde jemand anrufen" und nun ist es eher "Ich wünschte, die Leute würden aufhören, mich anzurufen".

Im Moment organisieren wir das Video, buchen die Tournee, stellen die Farbabzüge für das Album zusammen. Wir machen das ganze Zeug, um das sich normalerweise 20 Leute kümmern würden. Aber gleichzeitig haben wir das ganze unter Kontrolle. Gleichzeitig ist das ganze unnatürlich intensiv. Mein Problem wird sein, daß wenn "Just Good Friends" die Erfolgssingle wird, von der eine Menge Leute, mich eingeschlossen, überzeugt sind, daß sie es wird, es zu chaotisch werden könnte und ich meine, wir werden jemanden engagieren müssen, der zwischen mir und der Außenwelt steht, damit ich ein bißchen Bewegungsfreiheit behalte. Ich habe jemanden, der sich um das Management in Deutschland kümmert, ich habe eine Beraterin, die sich um Deutschland, Österreich und die Schweiz kümmert - Linda Hull - ein schottisches Mädchen aus Glasgow, die vor Jahren bereits mit EMI zusammenarbeitete. Sie ist sowohl eine gute Freundin als auch eine brilliante Organisatorin. Sie ist eine der wenigen Menschen, die das auf die Reihe bekommen. Sie hat unglaublichen Mumm. Sie zögert nie, mich per Telefon anzubrüllen : "Sieh zu, daß Du das fertig bekommst !". Das finde ich toll. Aber zur Zeit können wir uns das in Großbritannien nicht leisten, wir sind kein Betrieb, der groß genug wäre, sich einen weiteren ständigen Mitarbeiter leisten zu können. Man muß das aus diesem Blickwinkel betrachten, jeder, der mit uns zu tun hat, wird an einer Art langfristiger Verbindung interessiert sein. Man kann sich nicht einfach umdrehen und jemanden für das Best-Of-Album nehmen und dann einfach sagen "Nun, vielen Dank für das, was Du getan hat, aber jetzt hast Du keinen Job mehr". Man muß sich an die Leute so binden, wie man von ihnen verlangt, daß sie sich an einen zu binden haben. Wenn wir uns Leute für unsere Firma aussuchen, geschieht das nach sehr sorgfältiger Überlegung. Ohne Zweifel ist Jeremy Lawson der beste Gewinn, den meine Firma je gemacht hat. Wir brauchten jemanden mit professioneller Einstellung, jemanden, der mit Zahlen umgehen kann, wir brauchten einen Rechenkünstler und jemanden, den das auch wirklich interessiert. Jemanden, der seine Motivation und seinen Adrenalinstoß nicht nur aus der Arbeit mit den Zahlen bezieht, sondern der sich auch genügend für die andere Seite interessiert, so daß er sich selbst auch mit der kreativen Seite beschäftigen kann. Jemanden, zu dem ich mich setzen und den ich fragen kann : "Kann ich das machen ? Ist das möglich ?". Gleichzeitig weiß er meinen Mut, mein Draufgängertum zu schätzen.

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Teil 8 - Das Internet

FishNet:
Welchen Effekt wird das Internet Deiner Meinung nach auf die Musikbranche haben ?

Fish:
Einen gewaltigen Effekt. Eines der Dinge, die mich am meisten ärgern, ist die Haltung des Einzelhandelssektors. Nicht so sehr die der unabhängigen Händler, sondern eher die der großen. Manche der Ermäßigungen, die diese verlangen, sind phänomenal. Wir haben manche Läden, die einen 50%igen Preisnachlaß für die Singles fordern. Ein 50%iger Preisnachlaß auf den Händlerpreis einer Single bedeutet, daß wir kein Geld gewinnen sondern Geld verlieren; wir verlieren etwa 30 oder 40 Pence pro Single nachdem wir die verschiedenen Leute, seien es Plattenfirmen oder Künstler, ausgezahlt haben. Sie halten das im Würgegriff. Es gibt einen bestimmten unabhängigen Händler, der über 30% des britischen Marktes kontrolliert und wenn eine Single Erfolg haben soll, muß sie in dessen Läden kommen, und er weiß das. Deshalb fordert er einen 50%igen Preisnachlaß. Man kann damit nicht mithalten. Das Internet bietet die Möglichkeit, Fans direkt zu kontaktieren, so daß wir vielleicht den Preis der Alben senken könnten. Hoffentlich können wir mit wachsendem Ruf im Internet damit beginnen, den Leuten Bestellmöglichkeiten anzubieten. Wenn man in der Lage ist, Kreditkartennummern mit dem Wissen, daß sie nicht durch ein Aufzeichnungssystem mißbraucht werden, sicher zu unterstützen, dann wird das besonders reizvoll. Wenn sich jemand für Deine Musik interessiert, kann er sich direkt an einen wenden, man kann die Musik anhören, man muß nicht zum Händler gehen. Ich denke, es nimmt den Händlern Macht und das ist sehr gut so.

Ich könnte argumentieren, den Advokaten des Teufels spielen und sagen, daß man als Manager eines Einzelhandelsmarktes jede Woche von Vertretern von sechs führenden Plattenfirmen plus vier großen Independent-Labels angesprochen wird, die einen fragen "Möchtest Du das neue Pink Floyd-Album kaufen, etc., etc. ?" Man möchte dann Material kaufen, das sich auch verkaufen läßt. Also wird man das Pink-Floyd-Album "Pulse", nehmen, man wird das neue Oasis-Album nehmen, man wird das neue Blur-Album nehmen, weil man weiß, daß man die los wird. Man macht mit ihnen Gewinn, und wenn man mit ihnen Gewinn macht, kann man die Leute bezahlen, die für einen arbeiten, usw., usw.. Man will nicht ein Dream Disciples-Album nur deshalb nehmen, weil man es mag. Man weiß, daß es sehr schwer zu verkaufen sein wird. Ich falle in diese Kategorie - genau wie viele andere, in die die Leute nicht investieren wollen. Der Händlerpreis beträgt pro CD zur Zeit 8-25. Man nimmt diese 8-25 auf sich und weiß nicht, ob man sie los wird. Man möchte diese 8-25 verschieben und in einen Gewinn von drei Pfund verwandeln. Das Problem ist, daß es diese großen Ketten wie HMV, Our Price, Virgin, W.H.Smith, John Menzies usw. gibt, die einen großen Preisnachlaß fordern. Eines der Dinge, die in der "Music Week", einem großen britischen Handelsmagazin, aufgezeigt wurden, war die Tatsache, daß man sich nun an einem Punkt befindet, an dem Woolworth so viel Nachlaß erhält, daß sie in der Lage sind, Alben billiger zu verkaufen als manche der unabhängigen Läden, denen es gelungen war, die großen Läden zu unterbieten. Und das ist ziemlich erschreckend. Und das ist der Punkt, an dem ich das Internet sehe, es nimmt den Händlern einfach die Macht.

FishNet:
Und wie steht es mit Gallup ?

Fish:
Das System ist heutzutage viel besser als früher, aber es ist nach wie vor völlig offen für Korruption.

FishNet:
Würde es immer noch für die Charts zählen ?

Fish:
Nein, aber wer liest andererseits heutzutage wirklich noch die Charts ? Dahin geht die Entwicklung. In Frankreich gibt es keine Charts mehr, weil so viel Mißbrauch damit betrieben wurde. Darum hat man sich gesagt "Ok - lassen wir das mit den Charts". Ist es wirklich wichtig, ob Dein Album an Nummer 16 oder wo auch immer einsteigt ? Worauf es ankommt, ist, ob es ein gutes Album ist. Wenn ein Album Aufsehen erregt, werden die Leute es kaufen. Ich glaube wirklich nicht, daß die Leute ein Album einfach deswegen kaufen, weil es drei Plätze höher plaziert ist als ein anderes. Man kauft es, weil einem der Künstler gefällt, oder man kauft es, weil man einen Titel des Albums gehört hat. Ich glaube, ich würde lieber die Möglichkeit haben, ein Album im Radio oder im Plattengeschäft zu hören, als ein Top 5-Album zu haben. Ich glaube ehrlich, daß die einzigen Leute, die Alben aus dem Grund kaufen, weil sie in den Top 10 sind, DJs sind. Und ich meine nicht Radio-DJs, ich meine Leute, die in Discos arbeiten. Ich denke nicht, daß das Spiel mit den Zahlen Bedeutung hat, weil ich wirklich nicht der Ansicht bin, daß die Leute in Großbritannien den Charts glauben. Die Leute mißachten die Charts, sie kaufen die Sachen, weil sie einen guten Song kaufen. Es würde mir sehr gefallen, wenn "Just Good Friends" in diesen Bereich gelangen würde, weil es ein guter Song, eine gute Darbietung ist. Wenn es angenommen wird - gut. Es wäre wunderbar, einen Nummer 1-Erfolg zu haben, nur um der Tatsache willen, von sich sagen zu können "Wir waren Nummer eins". Ich hätte lieber eine Single in den Top 40 und 25 Air-Plays die Woche für die nächsten zwei Monate als eine Nummer 1 und 3 Air-Plays pro Woche. Wenn es dazu kommt, liegt das an den Verkäufen. Es liegt nicht an der Chartplazierung. Ich glaube wirklich nicht, daß Chartplazierungen, besonders bei Alben, die Kaufentscheidung der Leute wirklich beeinflussen. Ich glaube, sie kaufen, was sie wollen, und sie kaufen Platten eines Künstlers, weil die die Tatsache anerkennen, daß dieser Künstler einen gewissen Stanard, eine gewisse Qualität aufweisen kann. Sie können sich darauf verlassen, daß dieser Künstler sein Geld wert ist, was genau das ist, was man will, wenn man 12 Pfund für eine CD ausgibt.

FishNet:
Einer der Unterschiede zwischen CDs und den alten Vinylalben ist der, daß man auf eine CD so viel Material bringen muß.

Fish:
Wir haben bereits über B-Seiten von Singles gesprochen. Als ich damit begann, Platten zu machen, hatte man sich grundsätzlich an 45 Minuten orientiert. "Yin" und "Yang" haben jeweils 74 Minuten Laufzeit. "Script" hatte 46 Minuten, viele Künstler machten 35 Minuten-Alben. Sowohl "Yin" als auch "Yang" entsprechen einem Doppel-Vinyl-Album. Das ist ein Problem, das viele Künstler haben. Ich glaube, es gibt sehr viele Künstler, die einiges gegen die Tatsache, daß sich viele Leute beschweren "Warum machst Du nicht jedes Jahr ein Album ?", einzuwenden haben. Man bedenke, sie verlangen von Dir, Songmaterial für 75 Minuten zu schreiben. Ich denke, daß das erklärt, warum es so viele schlechte CDs gibt - weil sich die Leute verpflichtet fühlen, 70 Minuten Musik und Texte zu schreiben, weshalb das, was die B-Seite der B-Seite war, plötzlich in das Album aufgenommen wird. Warum macht man nicht einfach eine wirklich gute CD mit 40 Minuten Laufzeit ? Warum macht man nicht gleichzeitig eine 75-Minuten lange CD teurer ? Es ist momentan nicht einfach, als Künstler zu argumentieren, da die Plattenfirmen die Ansicht vertreten "Wenn Du das machen willst, dann mußt Du mindestens 60 Minuten Musik ablieferen". Der Künstler sagt : "Momentchen mal, vor fünf Jahren habe ich 45 Minuten Musik geschrieben und Ihr wart damit vollständig zufrieden. Jetzt wollt Ihr, daß ich zusätzlich fünf Stücke schreibe und darüber hinaus B-Seiten für die Singles". Das wird ein bißchen viel.

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Teil 9 - Vermischtes

FishNet:
War die "Outpatients"-CD ein Erfolg und planst Du, das Projekt fortzusetzen ?

Fish:
Sie hat sich ganz gut entwickelt. Ich denke, daß von "Outpatients" etwa 25.000 Exemplare verkauft wurden. Das bedeutet, daß ich nicht so falsch lag, als ich beschloß, "Time And A Word" auf das "Yin"-Album zu übernehmen, da es sehr viele Leute gibt, die das "Outpatients"-Album nicht haben. Es wurde in den Staaten von sehr vielen verschiedenen Sendern sehr oft im Radio gespielt, aber wir hatten keine Plattenfirma, die in der Lage gewesen wäre, das Geld hineinzustecken, das nötig gewesen wäre, um es zu einem Erfolg zu machen, oder die bereit war, wirklich für eine ständig gespielte, erfolgreiche Single zu sorgen. Es war für jede Plattenfirma nicht einfach, einen hohen finanziellen Einsatz zu garantieren, da das Lied eines von dreien auf einem Sammelalbum war, das Titel vieler unbekannter schottischer Künstler enthielt. Das war der Grund, warum es auf dem "Yin"-Album erscheint. Es ist genau dasselbe wie mit B-Seiten, wovon wir bereits sprachen. Wenn "Just Good Friends" erscheint, werden die B-Seiten grundsätzlich auch auf dem Album erscheinen. Ich versuche "Just Good Friends" einen Titel mitzugeben, den Radio-DJs spielen werden wollen - "State Of Mind" ist zusammen mit der Radio-Version von "Somebody Special" auf der CD. Nichts ist deprimierender, als in eine Situation wie mit "Black Canal" zu kommen, in der wir einen tollen, einen starken Song hatten. Er wurde gewissermaßen weggeworfen. Es hatte viel Herz, viel Einsatz und viel Kreativität gefordert, um diesen Song zu dem zu machen, was er ist. Und all das verschwand. Keiner kommt leicht zu einem Song. Ich will keine minderwertigen B-Seiten fabrizieren, ich schreibe nie ein Lied und sage "Nun, das ist eine B-Seite, also mache ich mir dafür keinen großen Kopf." Auch so etwas wie "Jack And Jill" halte ich für ein gutes Stück. Gleichzeitig zielt die Single darauf ab, einen neuen Markt zu erschließen, so daß es sinnvoller war, "State Of Mind" als einen vollwertigen Album-Titel, den Radio-DJs eventuell spielen, auf der B-Seite zu veröffentlichen.

"State Of Mind" werden vielleicht viele der Leute, die noch keins der Alben gekauft haben, für einen guten Song halten. Ich veröffentliche lieber Live- und Demoversionen der Songs als daß ich neue schreibe. Wenn ich mich daran mache, neue Songs zu schreiben, schreibe ich sie lieber für das nächste Album als daß ich sie auf B-Seiten wegwerfe. Ich weiß, daß es Fans geben wird, die sich sagen "Warum sollen wir uns die Single kaufen, wenn wir darauf nur die Stücke des Albums bekommen", aber wie ich bereits sagte : wenn die Single kein Erfolg wird, wird sie zum Sammlerstück, wenn sie einer wird, vergrößert das ohnehin die Fangemeinde. Deshalb bewegt man sich in einem Gebiet, in dem die Leute die anderen Titel sowieso nicht kennen.

FishNet:
Du drehst morgen das Video zu "Just Good Friends" - wie sieht das Drehbuch aus ?

Fish:
Es ist eine Mischung aus "Frühstück bei Tiffany's" und "Diva". Die Idee ist die, daß Sam und ich beschlossen haben, zusammen Wohnungen in einem Leuchtturm nehmen, um unsere Beziehung auf eine sehr heimliche Art und Weise zu festigen zu versuchen. Ich habe die untere Wohnung, sie die obere. Wir veranstalten eine Einzugsfeier und ein Haufen Sonderlinge und Bohemiens erscheint. Es dreht sich um unseren Versuch, zusammenzukommen und die Unfähigkeit, miteinander zu kommunizieren. Hamish Barbour, der das Video zu "Fortunes Of War" drehte, führt Regie. Ich bin mir ziemlich sicher, daß es ein außergewöhnliches Video wird.

FishNet:
Was kommt auf die B-Seite von "Just Good Friends" ?

Fish:
"State Of Mind" in der Version des "Yang"-Albums. Die Radio-Version von "Somebody Special" kommt auf CD1. CD2 wird "Raw Meat" werden, live von den Akustik-Konzerten, die wird in Lyon und Grenoble gaben. "Roadhouse Blues" wird der zweite Titel werden, so daß beide Liveversionen sein werden. "Roadhouse" ist gut, da es die Band in Hochform zeigt. Es gibt auch eine Kassette, die "Just Good Friends" und "Somebody Special" enthält.

FishNet:
Uns ist aufgefallen, daß die Stücke auf "Yin" und "Yang" viel kraftvoller und mit einem viel stärkeren Live-Gefühl daherkommen als die Originale - bist Du zufrieden damit, daß Du das auf CD rüberbringen konntest ?

Fish:
Ich denke, ich mache immer mehr das, was ich schon von jeher machen wollte. Jeder sagte immer von Marillion, daß wir live stets besser als auf den Alben waren. Ich denke, ich bin nun ausgeglichener. Ok, das sind Best-Of-Alben und wir kennen die Stücke in- und auswendig. Aber sogar "Suits" ging meiner Meinung nach in diese Richtung. Ich glaube, das ist ein Element, das ich bei "Sunsets On Empire" forsetzen möchte, ich mag die Energie, die es mit sich bringt.

FishNet:
Ich hatte erwartet, daß "Mr. Buttons" entweder auf "Yin" oder auf "Yang" zu finden sein würde.

Fish:
"Mr. Buttons" wird wieder auftauchen. Ich denke, auf "Sunsets On Empire". Auch nach allem, was ich gesagt habe, könnte es passieren, daß es als B-Seite veröffentlicht wird, das hängt davon ab, was die Zukunft bringt. "Mr. Buttons" ist ziemlich "wuuuiii". Es ist fast wie Quadrophonie. Es war sehr eng an die Atmosphäre von "Suits" angelehnt. Robin und ich hatten die besten Absichten, in diesem Sommer ein paar B-Seiten zu schreiben und sogar mit "Sunsets On Empire" zu beginnen, aber es hat einfach nicht geklappt.

FishNet:
Wie sieht der Zeitplan für "Sunsets On Empire" aus ?

Fish:
Ich kann mir wirklich nicht vorstellen, daß das Album vor Januar '97 erscheint.

FishNet:
Liegt das an der starken Tournee-Belastung ?

Fish:
Ja, weil, um ehrlich zu sein, die Welt da draußen ist und ich einfach hinaus und das angehen muß. Ich muß hinaus und das türkische Zeug machen. Wenn ich mit "Yin" und "Yang" für eine Grundlage sorgen kann, wird es um einiges leichter sein, "Sunsets On Empire" zu einem Erfolg zu machen. Gleichzeitig will ich Spaß haben, den Planeten sehen. Das mag jetzt ziemlich eigenartig klingen, aber es gibt viele Plätze, an denen ich bis jetzt nicht gewesen bin. Ich war bis zu diesem Jahr noch nie in Hongkong oder Singapur gewesen, aber das "Suits"-Album gab mir die Gelegenheit, dorthin zu gehen. Das gleiche gilt für "Yin" und "Yang"; auf ihnen ist eine Menge alter Sachen, was bedeutet, oder wovon ich hoffe, daß es bedeutet, daß die Fans sie kaufen werden, um die Neueinspielungen zu hören. Gleichzeitig werden die Leute, die "Internal Exile" kaufte und uns durch das Album kennenlernten, sie kaufen, um die alten Sachen zu hören und sich anzuhören, was wir daraus machten. Sie bewegen sich zwischen vielen verschiedenen Kategorien. Sie sind Alben, die als Ausweis dienen; ich will nach Südamerika gehen können, ich will Argentinien sehen können, ich will nach Australien gehen können. Ich habe nie mit Marillion eine Tournee durch Australien gemacht, ich glaube, daß Marillion immer noch nicht durch Australien getourt sind.

FishNet:
Die letzte Frage - wirst Du jemals wieder Percussion spielen ?

Fish:
Nein, ich bin wirklich gut mit meinen Händen, habe ein gutes Rhythmusgefühl, ich habe ein gutes Timing. Aber wenn man mir einen Stock in die Hand drückt geht irgend etwas zwischen der Faust und dem Stockende verloren. Ich mag Percussion.

FishNet:
In der Zeit von "Market Square Heroes" war es für gewöhnlich eine wirklich lustige Sache.

Fish:
Ja, ich erinnere mich immer daran, wie die Mannschaft mit Sachen wie "Laßt uns ihm sagen, daß wir nicht genug Platz im Laster haben, um sein Zeug reinzutun" oder "Auf der Bühne ist nicht genug Platz" ankam. Und die Band haßte es für gewöhnlich, da ich die Dinger zumeist wirklich kräftig geschlagen habe. Ich habe immer noch die Original-Tambourine im Studio. Ich habe sie so kräftig geschlagen, daß ich das Schlagzeug übertönt hätte.

1995 by Mark & Julie Wynne ; dt. Übersetung by Andreas Neumann

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Letzte Änderung: 19. Januar 1997
Andreas Neumann (Neumanna@stud-mailer.uni-marburg.de)